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Die Geschichte von Oberreute

Hunderte von Jahren auf ein Blatt Papier zu zwängen, ist das möglich? Wohl kaum. Es sei denn, wir erwähnen nichts von der Entstehung des Ortes. Dass die ersten Siedler durch Rodung das Land urbar gemacht haben und dass aufgrund dieser Tatsache der Ortsname entstanden ist. Tausende Menschen werden weiterhin rätseln warum Rodungsbeil und der Spaten sich im Oberreuter Wappen befinden.

Wir dürfen nicht berichten, dass die Ortsteile Stadels und Schönebühl einst Gerichtssitz waren. Das ist aber weiters nicht schlimm, denn wer will denn schon mit einem Gericht etwas zu tun haben? Es sei denn, es würde auf einem Teller serviert.

Die Mittelalterlichen Burgen Längene und Ihlingshof dürfen wir keinesfalls erwähnen. Ist auch besser so, wie sollten wir heute, im Zeitalter des Fertigbetons erklären, warum unsere Vorfahren diese Burgen Stein für Stein für eigene Hausbauten abgetragen haben und so wichtige Zeitzeugen dem Erdboden gleich gemacht haben? Welche Bedeutung einst das Kremlerbad und das Zellerbad im Heilwesen hatten, müssen wir geradewegs übergehen.
Auch die Zugehörigkeit zu Österreich bis 1805 wird im Dunkeln bleiben.

Aber die Gründung von Oberreute in der napoleonischen Zeit dürfen wir keinesfalls übergehen. Damals haben unsere Vorfahren gezeigt, was in ihnen steckt. Mit großer Beharrlichkeit kämpften sie jahrzehntelang gegen mehrere Widersacher um die erste Vorraussetzung für ein eigenes Dorf: Der Kaiser in Wien erlaubte ihnen auf eigene Kosten eine Kirche zu bauen. Unvorstellbare Kräfte entwickelten die 674 Ortsbewohner im Jahr 1797, als sie die Bruchsteine und alles andere Baumaterial mit Pferden und Handkarren zum Bauplatz schleppten, damit die Kirche in einem Jahr errichtet werden konnte.

Eine unglaubliche Leistung, deren Triebfeder, der Wille nach Freiheit und Unabhängigkeit war. Die Gründung einer eigenen Pfarrei, eines selbstständigen Ortes, hat -im Kleinen- vieles gemeinsam mit der zur selben Zeit stattfindenden Französischen Revolution.

Über Jahrhunderte lebten die Bewohner von Oberreute von Ackerbau und Viehzucht, nahezu der gesamte Ertrag diente zum eigenen Verbrauch. Darüber hinaus waren sie handwerklich tätig und erzeugten beinahe alle Dinge des täglichen Lebens selbst.

Als Anfang des 20. Jahrhunderts Genossenschaftssennereien gebaut und mit der Hartkäseproduktion begonnen wurde und damit größere Märkte beliefert werden konnten, bekam die Landwirtschaft kräftigen Aufschwung. Die schlechte Anbindung an größere Verkehrswege verhinderte eine frühe Industrialisierung, wie sie in umliegenden Orten stattfand. Diese Benachteiligung kehrte sich in eine positive Entwicklung. Fehlende Industrie, geringe Bebauungsdichte und Bau der Alpenstraße (B 308) waren eine gute Vorraussetzung für den Fremdenverkehr, der sich nach dem 2. Weltkrieg stark entwickelte. Bei der Verwaltungsreform 1978 blieb der Gemeinde die Selbstständigkeit erhalten, für die Verwaltung entstand eine Gemeinschaft mit dem Nachbarort Stiefenhofen.

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Letzte Änderung: 30.01.2009 / 14:41 Uhr
Ausgedruckt am 19.09.2017 / 17:22